Siegfried-Figur und Gefangenenturm 2004
Wir schauen weiter auf das alte Dülkener Rathaus, das 1896 der Stadt vom Stadtbaumeister Ulrich übergeben wurde. Die Häuser dieses Stadtbaumeisters sind leicht zu erkennen: sie haben alle einen gemeinsamen Stil. (Nordschule, Hallenbad, Gymnasium, Süchteiner Rathaus u.a.) Hier begegnen wir auch an allen Ecken dem Dülkener Stadtwappen: Jülicher Löwe, der den Turm umfasst; der Turm zeigt an, dass auch die Xantener Stiftsherren Rechte in Dülken hatten. Die Jülicher Herren gaben den Dülkenern Münzrecht (1328 -1423), es ist die Zeit, in der die Mauer errichtet wurde und man davon ausgehen kann, dass Dülken eine kleine, wohlhabende Stadt war. Wir gehen wieder zurück zum Eligiusplatz. Ein Denkmal mit vier Flammen vom Dülkener Zunftmeister Franz Dommers gefertigt, erinnert an den Schutzpatron der alten Schmiedezunft: „Sei uns Hilf und Schutz, du heiliger Schmied Eligius" lesen wir am Sockelrand, die 4 Flammen aber stehen für die 4 Stadtteile Viersen, Dülken, Süchteln, Boisheim - wie vier brennende Flammen zu einer Flamme werden, wenn man sie zusammen hält, so mögen die vier Stadtteile auch zu einer Gemeinschaft zusammen wachsen. Das „Treppchen", ebenfalls eine alte Bierbrauerei bis 1914 der Familie Kamp, zeigt im Gemäuer noch den alten Torbogen, der daraufhinweist, dass hier Fuhrwerke aus- und

Altes Rathaus 2004
einfuhren. Vor dem Haus liegt ein alter Kanaldeckel, der wohl in der Gießerei Holz gegossen wurde (laut Aussage von Dr. Helga Holz). „Stadtentwässerung Dülken" kann man darauflesen. In Dülken liegen nur noch an wenigen Stellen diese Kanaldeckel. (z.B. vor dem Domhof, in der Klutengasse und in der Reiterstraße), Wenn wir über den Platz schauen, sehen wir neben der „Ratsstube" das Haus von Dr. Doergens, der die Dülkener Chronik von Norrenberg überarbeitet und ergänzt hat (Dr. Doergens war prakt. Arzt; er lebte von 1854 -1926). Doergens nennt in seiner Chronik „Dülken, das Schilda an der Nette"! Wir gehen zur Langestraße und kommen zum 3. Tor, zum Lindentor oder auch Gladbacher Tor genannt. Wieder ist das Tor im Straßenpflaster nachgezeichnet und auch die Bronzeplakette von Stefan Kaiser können wir an einer Hauswand entdecken. Von hier aus haben wir einen schönen Blick in die Drüemelsjotz, heute Schöffengasse. Hier wohnten früher die Weber. Sie warfen die Drüemels, das sind Fadenreste beim Weben, auf die Straße. Das Wort Drüemel für einen Menschen kommt aus der Webersprache: Mit ihm kann man nichts anfangen. Die Menschen der Drüemelsjotz hatten einen besonderen Humor. In vielen Geschichten wird von ihnen erzählt, z.B. wie sie den schiefen Kirchturm wieder gerade ziehen wollten. Dabei zerriss das aus Drüemeln geflochtene Seil, die Weber fielen alle auf einen Haufen und fanden ihre Arme, Hände, Beine und Füße nicht mehr. Die Frauen brachten ihnen zu essen, bis ein Fuhrmann aus Goch kam und mit seiner Peitsche auf den Haufen schlug. Da fanden alle sehr schnell Arme und Beine wieder.




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