Hinweisschild-Broeckport 2005
Direkt der Fabrik gegenüber, hinter einer dicken alten Mauer, war die erste Poststelle in Dülken. Heute wohnt Hans Sartingen mit seiner Frau Liesel geb. Peters in dem schönen alten Haus, eines der ältesten Häuser in Dülken. Der Stall, in dem die Postpferde gewechselt wurden und Futter bekamen, ist heute noch erhalten und an den Trögen zu erkennen. Weiter geht es den Wall hinunter bis zur Venloer Straße. Hier stand ein weiteres Tor, Bruchtor, Brookpoert, Broeckport oder Klopport. Es war das Tor, das zum Nettebruch führte, wo im Mittelalter die Frauen ihre Wäsche gewaschen und gebleicht haben (Bruchweg, Bleichpfad). Warum Klopport? Es war das einzige Tor, das aus Holz gebaut und an das man ohne Schaden zu leiden kräftig klopfen konnte. Auch hier erinnert eine Bronzeplakette von Stefan Kaiser an das alte Tor. Sie liegt auf dem Boden.


Nun möchten wir gerne weiter über den Wall gehen - aber genau über Mauer und Wall erhebt sich ein moderner Bau (schön???), die Stadtsparkasse, die im Jahr 1975 gebaut wurde. Diesem Bau mussten viele alte Häuser an der Venloer Str. weichen, u.a. auch das Mädchenheim, die spätere Berufsschule. Damit aber die Dülkener weiter den Weg über den Wall nehmen können, hat man zwischen der Sparkasse und den anliegenden Häusern einen Durchgang gelassen. Wir gehen über den

Westwall mit Blick auf
den Gefangenenturm 2005

Peterborough Platz und schauen noch einmal in Richtung Moselstraße - Hühnermarkt. Am Giebel des „Dülkener Hofes" entdecken wir das Glockenspiel, das von einer Stammtischrunde bei Gartz gesponsert wurde. Es spielt 3mal: 11,11 Uhr, 12,30 Uhr und 17,00 Uhr. Es erklingen dann schöne Melodien, die zu Dülken gehören, viele sind von Heinz Luhnen. Das Glockenspiel zeigt die Dülkener Symbole: Strippken, Steckenpferd, Narrenkappe, Mühle und Kinder mit Fackeln. Neben dem Glockenspiel entdecken wir eine kleine Madonna hinter Glas. Sie hat vor vielen Jahren in einer Kapelle vor dem Lindentor gestanden. Später fand man sie an der Giebelwand des „Dülkener Hofes" auf der Gasstraße. Als dieser dem neuen Bürgerhaus weichen musste, nahm die Familie Gartz die Madonna mit und gab ihr einen schönen Platz am neuen „Dülkener Hof „. Sie wurde auf 500 Jahre geschätzt. Eine Wander-Madonna! Schade, dass der Platz, auf dem wir stehen, keinen Namen bekommen hat, der zu ihm passt. Er liegt mitten im alten Dülken, die Dülkener hätten mit Sicherheit einen „historischen" Namen gefunden. Nun gehen wir durch den Torbogen neben der Sparkasse und sehen auf dem Boden wieder an den Pflastersteinen, wie es weiter zum Wall geht. Auf dem Wall werfen wir noch einmal einen Blick auf die Stadtmitte, wir sehen das „Dälken". Die Mauer zur Rechten zeigt Reste der alten Stadtmauer, die im 19. Jahrhundert (1836) abgerissen wurde. Mit den alten Steinen bauten sich die Dülkener Häuser und Mauern. Wir kommen vorbei am Haus von Paul Weyers, an der Hauswand hängt eine Gedenktafel mit der ersten Zeile eines Gedichtes: Allenengen ös jät Sonn. Wir stehen an der Augustastraße, im Volksmund früher Poethjätzke genannt. Ecke Langestraße gab es viele Jahre die Gaststätte Poeth, von wo aus auch das Bier mit Pferdewagen rund gefahren wurde. Die Pferde gehörten zur Rasse der schweren Belgier, und wenn in Dülken ein Kind nicht hören wollte, hieß es: „Wenn du net brav bös, kömste en Pöthe Päerd sin Fot!" Vor uns liegt nun der Gefangenenturm, der 1968 restauriert wurde und auch das Stück Stadtmauer zur Theodor-Frings-Allee hin. Es war der einzige Rundturm in der Mauer neben 19 Halbrundtürmen. Auffallend ist, dass der Turm weder Tür noch Fenster hat, nur eine Luke unter dem Helm. Wie also sind die Gefangenen hier in den Turm gekommen? Es hat einen unterirdischen Gang gegeben vom Ostwall – Kreuzherrenschule (früher Kloster) aus, der zum Gefangenenturm führte. Er wurde auch zugeschüttet, wenn man genau hinschaut, sieht man auch hier eine Erhöhung im Wall wie auf dem Westwall. Immer, wenn wir auf dem Weg über die Wälle einen Blick zurück werfen können wir deutlich die Kurven vom „Dülkener Ei" erkennen. Langsam gehen wir Richtung Eligiusplatz, vorbei an der hohen, alten Stadtmauer. Es lohnt sich, hier etwas zu verweilen, vielleicht auch ein Foto zu machen, denn hier ist für mich die schönste Ecke von Dülken. Gehen wir durch das Tor, sehen wir ein Stück des alten Grabens vor der Gefallenen-Gedenkstätte der letzten beiden Weltkriege. 1934 wurde hier eine Siegfried - Figur aus Stein errichtet. Diese Figur erinnert mich nicht an das 3. Reich, wie viele es dem Siegfried nachsagen. Ich denke an das alte Nibelungenlied. „Uns ist in alten Mären ...", ich denke an das Gedicht: „Jung Siegfried war ein stolzer Knab ...", ich denke an den Jugendschriftsteller Willi Fährmann, der die Sagen des Niederrheins neu erzählt hat und möchte den Siegfried nicht dem 3. Reich überlassen.-

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