Blick auf St. Cornelius vom Westwall aus
Das SteinenTor wurde vom „Kur" bewacht, vom Wächter, der aufpasste, dass in der Stadt Ruhe und Ordnung herrschte. (Kur - Wächter; aus dem Lateinischen „curare" - bewachen). An der Hauswand Ecke Langestraße / Westwall ist eine Bronzeplakette von Stefan Kaiser angebracht, die an das alte Steinentor erinnert. Nun gehen wir an der Mauer entlang, die im Straßenpflaster nachgezeichnet ist. Im Keller von Beurschgens (Ecke Nordgraben/Langestraße) findet man noch Reste der alten Mauer. Wir kommen zum Westwall im Volksmund „Steenerne Berg" genannt. Es stimmt, schaut man genau hin, steigt hier der Wall in Richtung Sparkasse an. Früher konnten hier Kinder im Winter mit ihren Schlitten sogar rodeln. Auf unserem Gang sehen wir bald in alte Hinterhöfe. An dieser Stelle sieht man, wie hoch der Wall ist und dass Dülken in einem Tal liegt, in einem „Dälken", daraus wurde dann später „Dülken". Wir kommen zum „Gipfel" von „der steenerne Berg" und schauen durch eine enge Gasse bis auf den alten Markt zum Brunnen (Börsenstraße). Dülken hat viele schmale Gässchen, die alle zum Mittelpunkt der alten Stadt fuhren, zur Kirche. Das ist kein Zufall. Mittelalterliche Städte waren entweder kreisrund, im Schnittpunkt zweier Straßen lag immer die Kirche (Kempen), und auch die eirunden Städte hatten immer im Schnittpunkt zweier Straßen die Kirche. Alle anderen Straßen und Gassen laufen strahlenförmig auf diesen Mittelpunkt zu. Heute sieht man im Straßenpflaster um die Corneliuskirche diese „Strahlen" markiert. Für mich sind es die Dülkener Gässchen.


Börsenstraße 2005

Wir stehen noch immer auf dem Wall und schauen herüber zur Langestraße. Dort stand bis 1958 das Haus des Kommerzienrates Mewissen, ein wunderschönes Haus, klassizistischer Baustil, aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Warum nur haben die Dülkener es abgerissen? Ohne Not! Es gibt darauf keine Antwort, denn was an dieser Stelle gebaut wur-de, kann sich in keiner Weise mit dem schönen alten Haus messen. Dort wohnte also Gerhard Mewissen, der aus einer alten Dülkener Schmiedefamilie stamm-te, die in der Moselstraße die Schmiede hatte. Mewissen hat mit der Flachsverarbeitung in Dülken begonnen, zuerst auf der Langestraße, zwischen 1841 und 1854 entstand der Betrieb auf dem Westwall. Wir stehen vor dem alten Bau, in dem sich im oberen Stockwerk der sog. „Naate Saal" befindet und in dem man heute noch sehen kann, wie die Arbeiter - meist Frauen - gearbeitet haben. Sie standen sozusagen im Wasser, Holzschuhe an den Füßen, eine schwere Arbeit! Die Arbeiterinnen kamen nicht nur aus Dülken, auch aus Gladbach und Holland, und Mewissen sorgte dafür, dass sie untergebracht und wohnen konnten. Es wurde ein Mädchenheim gebaut, es wurden Arbeiterhäuser gebaut (z.B. Klein Holland am Amerner Weg). Mewissen war ein kluger Kopf. Sein Sohn Gustav ist später nach Köln gezogen, er wurde wegen seiner Verdienste und öffentlichen Tätigkeit geadelt. Im Buch der Clara von Armin „Der grüne Baum des Lebens" wird sogar auf einigen Seiten von Dülken erzählt und von Gustav von Mewissen, der ihr Großvater war. Dieser Fabrikant Mewissen wollte auch etwas für sich tun: Er baute von seinem Haus auf der Langestraße aus einen unterirdischen Gang zu seinem Büro hin, so dass er immer trockenen Fußes ins Büro kam. Auch diesen Gang hat man „entsorgt", - Kinder bedauern das sehr. Aber in einer Erzählung von Paul Weyers „ Der steenerne Berg" (Im Zeichen der Windmühle) lebt dieser geheimnisvolle Gang weiter. Die Geschichte erzählt von Zaubermännchen, die dort unter der Erde wohnten und von einem Türhüter, der hinter dem Tor - man kann es noch in der Mauer der Fabrik sehen- darauf lauerte, Kinder zu verzaubern. Hinter dem Tor aber hat lange Jahre ein holländischer Korbflechter Körbe geflochten und war wegen seines Aussehens und seiner fremden Sprache von den Kindern gefürchtet. Die alte Mewissenfabrik, der Beginn der Industrialisierung in Dülken, steht heute unter Denkmalschutz und diente der Firma Bodeewes (heute Firma Rose) als Holzlager.

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