Das Museum

Nach der Zerstörung der Tränkenmühle 1880 hat sich nicht sogleich der Wunsch nach Wiederaufbau oder nach einem neuen Versammlungsort in einer anderen Mühle geregt. Das wuchs erst im Laufe vieler Jahre heran. 1906 erwarb die Stadt Dülken im Süden vor dem Gladbacher Tor die 1809 errichtete Holtz’sche Kornwindmühle. 1912 wird sie um 1,80 m angehoben und erhält einen Unterbau. Er diente zur Einrichtung eines städtischen Museums, das man am 8. September 1912 eröffnete. Das Museum enthielt Gegenstände der Dülkener Narrenakademie und Sehenswürdigkeiten überseeischer Länder.
Eine Neuorientierung für das Museum ergab sich Ende der 30er Jahre. In der Weimarer Zeit war die Mühle leergeräumt worden, die Exponate aus Übersee in einem Schulgebäude zwischengelagert und später dort ausgestellt. 1936 wurde die Narrenmühle dem Orpheum zu treuen Händen übergeben. Es blieb dort nur für kurze Zeit Hausherr. Mit der Neubelebung der Narrenakademie 1937 trat es die Mühle an die wiederbelebte Berittene Akademie ab.
Diese wollte in der Mühle Zeugnisse Dülkener Narretei sammeln und ausstellen. Bis 1939 verwirklichte man große Teile dieses Planes und knüpfte an die Anfänge von 1912 an. Im Museumsraum fanden 11 Vitrinen Aufstellung. Sie zeigten Literatur zur Geschichte des Narrenwesens, Statuten der Akademie, Mitgliederverzeichnisse, das Schreiben an Goethe mit seiner Ernennung zum Dr. humoris causa, Diplome, Schriftwechsel der Akademie, Einladungen, Promotionen und einzelne Aufsätze. An den Wänden hingen eine närrische Landkarte und Einladungsschreiben. Neben dem mit der Museumseinrichtung verbundenen historischen Interesse sollte es der Fremdenverkehrswerbung dienen und wurde sukzessive ergänzt, bis der Krieg ausbrach und alle Aktivitäten zum Erliegen brachte. Nach Kriegsende diente die Mühle für kurze Zeit als Jugendheim der Pfadfinder.
Der Krieg ging nicht spurlos an der Mühle vorüber. Kleinere Schäden beseitigte man sofort. 1949/50 war eine Reparatur des Daches und eines Mühlenflügels erforderlich. Danach waren die Flügel wieder drehbar. Gleichzeitig griff man 1950 den Museumsgedanken erneut auf. Bereits am 3. August 1952 konnte man das Narrenmuseum wiedereröffnen. Eine beleuchtete Mondsichel auf der Mühle sollte seit 1955 das Junge Licht permanent über Dülken strahlen lassen.
Günther Perdelwitz unterzog das Museum 1961 einer gründlichen Neuordnung. Er hatte vorgeschlagen, Vitrinen anzuschaffen, Erläuterungsschilder anzubringen, Reproduktionen und Originale auszustellen und vor allem die Ausstellung durch „närrische“ Dinge aufzulockern. Er knüpfte dabei an die „Museumstradition“ aus dem 19. Jahrhundert an, wie sie in der Weimannschen KURIOSA nachzulesen war (s. u.). Herbert Strauch fertigte Reproduktionen alter Orden der Berittenen Akademie und ergänzte, was die Geschichte hatte verschwinden lassen. Am 11.11.1961 stellte man das Museum der Öffentlichkeit vor. Im Wesentlichen blieb es dann bis November 2001 so bestehen. Gegenüber dem Stand von 1961 kamen Exponate hinzu, die das Leben der Narrenakademie illustrierten. Es fanden sich Fotos von Promotionen berühmter Persönlichkeiten oder Andenken, die die Akademie geschenkt erhielt (z. B. Mondstaub).
50 Jahre nach der Wiedereröffnung des Museums 1952 präsentiert es sich seit 2002 in einem modernen Gewand. Darüber freut sich der Senat der Narrenakademie und verbindet damit die Hoffnung, dass das kleine Museum seinen Besuchern ebensoviel Freude bereitet.


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